Sprachlos!

Wer mich kennt, weiß, dass ich selten sprachlos bin. Am Samstagnachmittag war es aber mal wieder so weit. Ich habe zusammen mit Jenny und ihrem Parson-Russell-Terrier Spikey sowie mit Peggy, die samt ihrem Hundetrio Kim, Eden und Niamh aus Schleswig-Holstein zu Gast war, eine große Hunderunde über den Kronsberg am äußersten Stadtrand von Hannover gedreht. Geparkt haben wir beim Expowal. Ich hatte Whisky und Skipper dabei. Leider hatte ich vergessen, das Sonntagsbenehmen meiner beiden Kleinen auch einzupacken. Doch gegen das Gebaren der Familie mit Border Collie, die wir getroffen haben, waren die Manieren meine beiden Rabauken Zucker.

Ich beginne mal mit dem Geständnis, dass mein Skippili Kim ins Ohr gebissen hat. Dass er sich beim Kennenlernen immer überaus rüpelhaft verhält, hatte ich angekündigt, aber Löcher macht er nicht. Eigentlich. Dachte ich jedenfalls. Zum Glück war es nur ein kleiner Kratzer, aber der „Kuschelhai“ – so nennt meine Schwester Meike ihren Skipper – musste trotzdem an die Leine. Sicher ist sicher.

Whisky war überaus fröhlich, aber wie immer, wenn sie in unbekannter Umgebung neue Hunde trifft, sehr aufgeregt. Das äußert sie erstens lautstark und zweitens mit wildem Gezerre an meinem Jackenärmel. Vor allem Eden hielt dieses Verhalten meines monkischen Hundes für überflüssig und nervig. Ich selbst zwar auch, aber verglichen mit Whiskys neurotischen Vorführungen vor zwei Jahren…

Doch nun zu der Begegnung, die mich sprachlos gemacht hat. Und wütend! Irgendwo in dem durchaus weitläufigen Gelände kam uns eine Familie mit Hund entgegen. Wir haben unsere sechs Hunde auf dem Grünstreifen neben dem Weg abgelegt: „Macht Platz!“, „Lie down!“, fertig. Die Familie rückte langsam näher, verlangsamte ihre Schritte… „Ach, das sind ja alles Border Collies, wie schön! Und so brav!“

Erstens: Nur vier von sechs Hunden sind Border Collies gewesen. Bei Kim, die wie ein Collie-Mix aussieht, will ich den Spruch gern durchgehen lassen, aber Spikey ist als waschechter Terrier nicht mal entfernt einem Collie ähnlich. Zweitens: Einen Hund mit einem „Platz!“-Kommando am Wegesrand abzulegen, ist kein Hexenwerk.

Wäre es wenigstens bei dem dummen Spruch geblieben. Aber nein. Der Herr, dem unsere Hunde so gut gefielen, hielt an. Einen knappen Meter entfernt von Whisky. Er streckte die Hand aus. Offensichtlich plante er, sie zu streicheln. Ich sagte also sicherheitshalber „Bleib!“, und Whisky blieb auch liegen. Also trat der Mann einen großen Schritt vor, sodass er der liegenden Whisky den Kopf tätscheln konnte. Geht’s noch?

Liebe Spaziergänger und Hundefreunde, fragt bitte die Besitzer eines Hundes, ob ihr ihn streicheln dürft, wenn ihr das denn unbedingt wollt. Und zwar BEVOR ihr die Hand auch nur ausstreckt. Die Ausrede „Wir haben auch einen Border Collie!“ gilt nicht.

Ich war echt sprachlos. Inzwischen habe ich mir überlegt, was ich bei einer ähnlichen Begegnung sagen oder tun könnte:

  • Vor dem Streicheln: „Wenn Sie Ihre Finger noch brauchen, fassen Sie meinen Hund lieber nicht an. Der hat eigentlich Leinen- und Maulkorbzwang, aber am Wochenende lasse ich ihn immer einmal frei laufen.“
  • Nach dem Streicheln: „Das hätte ich nicht gemacht; mein Hund hat eine ansteckende Krankheit. Sie sollten sich unbedingt die Hände waschen, bevor sie Ihren eigenen Hund wieder anfassen.“
  • Oder aber ich trete selbst einen großen Schritt vor und wuschele der unhöflichen Person wortlos wild durch die Frisur.

Was tut ihr in ähnlichen Situationen? Welche Begegnung hat euch schon mal sprachlos und/oder wütend gemacht?

„Kuschelhai“

9 Kommentare

  1. Huhu,

    einige Freunde haben demletzt gute Erfahrungen mit einem streng-freundlichen “Bitte gehen Sie weiter!!”
    gemacht :D

  2. Jenny sagt:

    Erst einmal finde ich es toll, dass Du Spikey´s Streifen durch die Büsche fernab von uns unter´n Tisch hast fallen lassen :D
    Also nicht nur Du hast das Sonntagsbenehmen vergessen einzupacken (war ja aber auch Samstag – was wollen wir da erwarten?! :-) ). Obwohl Spikey sein Benehmen ja ganz gerne mal vergisst, wenn Hasen irgendwo rumlaufen. :-/

    Die Familie war echt nicht zu toppen. Aber die Sprüche, die Du Dir ausgedacht hast, sind sehr gut! Ich würde dann gern das nächste Mal den verdutzten Gesichtsausdruck sehen, wenn Du jemanden durch´s Haar wuschelst! :D

    War aber trotz des Schleswig-Holsteinischen Windes ein schöner Spaziergang.

  3. Maristela sagt:

    Naja, ich habe eher das Problem mit meiner Luna, dass sie immer ungefragt die Leute anspringt und mit jedem kuscheln will *rotwerd*. Aber die letzte Idee mit dem durch’s Haar wuscheln finde ich auch am besten… oder Deine Hunde dürfen dann auch ungefragt jemanden anspringen. ;)

  4. Yvonne sagt:

    Ich musste mich gestern anpampen lassen, weil eine Frau ihren Rüden wegen meiner läufigen Hündin nicht eingefangen bekommen hat.
    Die Eilenriede ist so groß, und nur in einem kleinen Teil ist Leinenzwang. Also dachte ich mir, gehe ich da spazieren, weil eben dort die Gefahr eines Rüden ohne Leine gering wäre.
    Denkste! Dort trifft man mehr unangeleinte Hunde als in der gesamten Eilenriede.
    Dieser eine unangeleinte Rüde also zu meiner angeleinten Hündin. Ich sagte zu der Frau das meine läufig ist und ich hoffe das ihr Rüde kastriert ist. Sie kam gemütlich hinter mir her und sagte ich soll mal stehen bleiben, damit sie ihren Hund einfangen kann. Ich bin aber langsam weiter gegangen und dann kam: “Bleiben sie doch mal stehen!” in einem giftigen Ton.
    Ist das mein Problem wenn sie sich nicht an die Regeln hält?

  5. Inka sagt:

    Yvonne, das ist definitiv NICHT dein Problem. Im Hundeverein lasse ich läufige Hündinnen an meinem Gruppentraining teilnehmen. Für die Rüden ist das dann halt Training unter Ablenkung ;-) Dass du extra dort gehst, wo Leinenpflicht herrscht, ist äußerst rücksichtsvoll von dir.

  6. Steve sagt:

    klasse

    vielen dank für diesen schönen blog, ich mag die
    englishe bulldog sehr gern,
    evtl werde ich mir eine anschaffen,

  7. Sehr netter Blog :) ich kann einiges davon für mich mitnehmen. Mach weiter so!

  8. Angel sagt:

    Großartiger Text! Sprichst mir und meinem Partner aus der Seele!
    Wir haben eine große, gerade mal 1 1/2-jährige Hündin. Freut sich über alles und jeden.

    Auf der Straße wird ihr ständig zugeschnalzt und entweder werden wir angeschnauzt, wenn wir die Leute bitten das zu lassen oder bekommen verächtliche Blicke, wenn sie dann Anstalten zum Anspringen macht (Gott sei Dank ist da immer noch die Leine :D )

    Sie fährt nicht so oft Bahn, also heißt es da immer “Leckerle einpacken” und sie in der Bahn ins Sitz bringen oder Platz. Wenn wir aber OFFENSICHTLICH mit Leckerchen in der Hand ihr Kommandos geben und den Blickkontakt zu ihr suchen (–> TRAINING!!! ;-) ), wird uns trotzdem dazwischengefunkt mit schnalzen. Sehr anstrengend….

  9. Susanne sagt:

    Also ein wenig von oben herab oder ?

    Warum muss ich fremden Leuten “beweisen” wie “toll” meine Hunde da liegen ? Es gibt auch Leute die sich nicht so gut mit Hunden auskennen und auch mal die Rasse der Hunde “verwechseln”. Und wenn ich nicht möchte das Jemand meinen Hund streichelt dann sag ich es diesem Menschen gleich und rege mich danach auf. Tz echt voll eingebildet !!!!!

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