Horror Hundehortung I

Aufhören! Bitte! Wochenlang hatte ich überlegt, wie ich das, was ich weiß, aufschreiben kann. Denn als Herzblutjournalistin glaube ich fest daran, dass Journalisten nicht vornehmlich als News-Manager an irgendwelchen Newsdesks rumsitzen sollten, sondern dass ihre wichtigste publizistische Aufgabe in der Wahrnehmung der Kritik- und Kontrollfunktion besteht. Nach sauberer Recherche natürlich. Egal. Dieser Drops ist gelutscht. Die Medien haben berichtet. Und ich tue nun das, was Blogger tun: die Links zusammensammeln.

Es geht um einen Fall von Tiersammelsucht, von „animal hoarding“, wie es die Angelsachsen nennen. Es geht um den Horrorfall von Hundehortung auf dem Zarenhof in der Eifel. Um ein trauriges Kapitel in der Geschichte der Gesa K. und darum, dass Dutzende Hunde dringend ein Zuhause suchen.

Lest und schaut selbst:

Freitag, 24. September 2010

Der Amtsveterinär begeht den Zarenhof in der Eifel und erklärt die Unterbringung von Hunden in dem Haus für nicht tiergerecht. Von dieser Begehung gibt ein Video. Gesa K. erklärt darin: „Eigentlich wohne ich noch hier.“

Mittwoch, 29. September 2010

Die RTL-Moderatorin Sonja Zietlow veröffentlicht auf ihrer Homepage unter „News“ Folgendes:

Verlorener Glaube!
Sonja Zietlow wurde Opfer von angeblicher Tierschützerin
Wenn falsch verstandene Tierliebe zum Albtraum von Tier und Mensch wird (…)

Sie veröffentlicht außerdem Fotos, nach deren Anblick sich manchem der Magen umdreht. Sonja Zietlow ist selbst eine sehr aktive Tierschützerin. Der von ihr gegründete Verein BESCHÜTZERinstinkte e.V. „unterstützt Menschen mit Hund, Menschen und Kinder durch Hunde und Hunde in Not“.

In diversen Foren wird heftig diskutiert; die meisten Diskussionsstränge werden allerdings schnell wieder gelöscht.

BILD greift die Geschichte als erstes Medium auf…

Sonnabend, 2. Oktober 2010

Die BILD-Zeitung druckt eine ganze Seite. Auf BILD.de steht:

200.000 Euro Schaden!
70 Hunde verwüsten Haus von Sonja Zietlow
Ihre grenzenlose Tierliebe wurde gnadenlos ausgenutzt! TV-Moderatorin Sonja Zietlow (42, „Dschungelcamp“) wurde Opfer einer Hundequälerin, die sich als Tierschützerin ausgab. Und bleibt jetzt auf einer Ruine sitzen (…)

Viele Netzmedien ziehen am selben Tag die Geschichte nach. Hier eine Auswahl:

Die BILD nennt Frau K. „Anneliese K.“, um wen es sich handelt, findet jeder schnell raus, der googlen kann.

Dienstag, 5. Oktober 2010

Nun vermeldet auch die dpa: „Sonja Zietlows Haus in der Eifel verwüstet.“ Am Mittwoch und Donnerstag ziehen die Printmedien die Geschichte nach, zumeist unter den Boulevardnachrichten mit einem Bild von Sonja Zietlow und ohne irgendeinen neuen Aspekt. Allerdings ist die Zahl der Hunde in der Agenturmeldung auf 30 geschrumpft:

(…) Die Mieterin habe dann aber in dem Anwesen um die 30 Hunde „monatelang alleine hausen und verwahrlosen lassen“ (…)

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Der Wochenspiegel berichtet online und zeigt ein Bild, auf dem Gesa K. unkenntlich gemacht ist:

Wie wurde die Tierschützerin zum Hunde-Messi?
Gesa K. (35) wollte sich auf dem „Zarenhof“ in Nollenbach um in Not geratene Hunde kümmern – schließlich wuchs ihr die Verantwortung jedoch über den Kopf und sie setzte sich ab.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Eine der beiden Homepages von Gesa K. ist wieder online, wenn auch um einige Hinweise auf den Zarenhof bereinigt. Im Gästebuch indes steht als jüngster Eintrag:

Hallo Gesa, wenn wir irgendwas tun können – gerne. Wir sehen verzweifelt zu wie so manche Tierfreunde im Nadelstreifen reden und andere, wie Dich, mit 40 Hunden im Stich lassen. 24 Stunden, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr – ohne Pause – wenig Brot – wer darf da mit Fingern auf Dich zeigen.

Dieser Gästebucheintrag wühlt mich auf. Es geht doch nicht darum, mit Fingern zu zeigen. Wirklich nicht! Es geht darum, Dutzenden Hunden zu helfen, die ein Zuhause brauchen. Und es geht darum, einem Menschen zu helfen, der krank ist. Auch wenn Tierhortung nicht im weltweit anerkannten Diagnoseklassifikationssystem als Krankheit aufgeführt ist, so muss doch eine psychische Störung die Ursache solch unkontrollierbaren Sammelzwangs sein. Ich bin natürlich kein Mediziner, aber wünschen darf ich mir doch, dass „animal hoarding“ als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt wird.

Menschen, die krank sind, tun mir leid. Sie benötigen Hilfe. ABER: Unter Tierhortung leidet nicht nur die erkrankte Person. Es leiden auch Tiere, die sich nicht wehren können. Im konkreten Fall litten und leiden (!!!) Dutzende Hunde, darunter überwiegend Border Collies, Doggen und Dackel. Wo etwa ist die acht Jahre alte Hündin, an deren ersten Vermittlung ich selbst beteiligt war und die im Sommer leider auf dem Zarenhof gelandet ist? Hat sie überhaupt überlebt?

Freitag, 8. Oktober 2010

Sonja Zietlow lädt Journalisten ein, sich auf dem Zarenhof selbst ein Bild von den Folgen der Tierhortung zu machen.

Sonja Zietlow mit Atemschutzmaske beim Pressetermin in ihrem Haus in der Eifel. (Foto: dpa)

Sonja Zietlow mit Atemschutzmaske beim Pressetermin in ihrem komplett verwüsteten Haus in der Eifel. (Foto: dpa)

Selbstverständlich begleitet BILD.de sie ins „Ekel-Haus“. Tags zuvor schon war auf BILD.de der Videobericht „Die Hunde-Hölle in der Eifel“ erschienen – samt einem Bild von Gesa K., auf dem sie nicht unkenntlich gemacht wurde. Insgesamt beweist BILD in seiner gesamten Berichterstattung einmal mehr, dass BILD die Niveaulatte irgendwo vergraben hat.

Sonnabend, 9. Oktober 2010

Sonja Zietlow veröffentlicht auf ihrer Homepage unter „News“ Folgendes:

Der Zarenhof!
Am 09. Oktober fand im „Zarenhof“ ein Ortstermin statt.  Warum dieser Presserummel????
Möchte die „Dschungelcamp“-Moderatorin ihr verwüstetes Haus für eigene PR-Zwecke nutzen? (…)

Tipp: Unten rechts weiterklicken.

Nur wenige wissen derzeit offenbar, wo Gesa K. und vor allem die ganzen Hunde sind. Ein Happy end? Scheint gerade unwahrscheinlich.

An dieser Stelle möchte ich mich bei Sonja Zietlow bedanken für ihren Einsatz.

To be continued… [Update am 24. Oktober 2010: Neues vom Zarenhof]

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